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CDU-Elternbrief verärgert Grundschullehrkräfte

Die CDU hat diese Woche die Grundschulleitungen angeschrieben, und sie gebeten ein von ihr verfasstes Schreiben und weitere Wahlkampfinformationen an die Eltern der Schule weiterzuleiten. Mittlerweile haben dies auch andere Parteien so gehandhabt. Generell halten wir diese Verfahrensweise für sehr fragwürdig.

Jedoch hat sich die Landesfachgruppe Grundschule besonders über das Schreiben der CDU geärgert, da erneut das Gefühl entstanden ist, dass man die Arbeit der Grundschullehrkräfte nicht entsprechend würdigt. Dies wollten wir so nicht stehen lassen, auch wenn Wahlkampf ist:

10.03.2016

Sehr geehrte Frau Klöckner,

im Laufe der letzten Tage ist ein Brief von Ihnen an die Grundschulen geschickt worden, mit der Bitte, diesen an die Eltern weiterzugeben. Dieser Brief an die Schulen hat nicht nur wegen seines Inhalts zu erheblicher Verärgerung und zu Irritationen geführt.

Sie beginnen Ihren Brief mit der Aussage: „Beim Thema Schule kann jeder mitreden. Jeder von uns war in der Schule und hat dort gute und schlechte Erfahrungen gemacht.“
Mit Verlaub gesagt, beim Thema Wein kann auch jeder mitreden, der schon einmal Wein getrunken hat. Viele haben beim Genießen dieses Getränks gute und schlechte Erfahrungen gemacht. Die Herstellung eines guten Weines kann sich somit jeder zutrauen.
Was würde man auf Ihrem elterlichen Weingut sagen, wenn morgen jemand mit diesem Argument dort beginnen würde einen guten Qualitätswein herstellen zu wollen?
Ein Laie würde hier wohl mehr falsch als richtig machen.

Mit dem einleitenden Satz Ihres Schreibens haben Sie allen Grundschullehrkräften dieses Landes leider einen schlechten Dienst erwiesen. Sie unterstützen damit alle diejenigen, die uns in Elterngesprächen das Leben schwer machen, weil sie genau diese Meinung vertreten: „Ich war einmal selber in der Schule und kann mir daher ein Urteil über das Unterrichten und den Umgang mit Schülern erlauben.“ Mit Ihren Äußerungen tragen Sie dazu bei, die in den letzten Jahren immer weiter fortschreitende Demontage des Ansehens des Lehrerberufs noch zu verstärken.
Zu der von Ihnen kreierten Methode „Schreiben nach Gehör“ hat der Vorsitzende der GEW Klaus-Peter Hammer in seinem offenen Brief bereits umfassend Stellung genommen. Durch diese Veröffentlichung und diesen neuerlichen Brief fühlen sich viele Grundschulkolleg_innen persönlich angegriffen und dafür verantwortlich gemacht, wenn es auf den weiterführenden Schulen zu Problemen kommt. Wir wünschen uns kein populistisches "Schlechtreden" des Grundschullehrerberufs und der angewandten Methoden in der Grundschule, sondern ein faires Gespräch über die Nöte und Probleme in der Bildungspolitik.

Die Kolleg_innen brauchen Politiker, die sie unterstützen. Das würde in vielen Fällen zu einem deutlich entspannten und vertrauensvollem Verhältnis zwischen Eltern und Grundschullehrkräften beitragen und damit in erster Linie den Kindern zugutekommen. Es sei an dieser Stelle noch einmal betont, dass in den Grundschulen nicht eine Methode für alle verwandt wird, sondern dass man mit jedem Kind individuelle Wege geht. Wer etwas anderes behauptet, hat sich lange nicht mehr mit dem Unterrichten in einer Grundschule auseinandergesetzt und ihm sollte dringend angeraten werden, sich einmal vor Ort einen Eindruck zu verschaffen.

Das Mitspracherecht der Eltern wird von allen Kolleginnen und Kollegen sehr ernst genommen und in Elternabenden werden die verschiedenen Konzepte und Methoden vorgestellt und diskutiert. So wird unter anderem auch das Erlernen der Schreibschrift in verschiedenen Varianten erklärt und die Wahl des Schreibehrgangs wird mit den Eltern abgesprochen.

Ihre Forderung nach kleinen Klassen ist begrüßenswert.

Insgesamt wünschen wir uns von Ihnen, dass Sie sich, um kommende ähnliche Missverständnisse zu vermeiden, zunächst ausführlich und umfassend informieren. Ein Gespräch mit den Vertreter_innen unserer Fachgruppe, die umfangreiche Praxiserfahrung besitzen und die täglich engagiert und qualifiziert mit ihren Schüler_innen arbeiten, wäre sicherlich hilfreich gewesen.


Mit freundlichen Grüßen


Ihre Fachgruppe Grundschulen

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