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Arbeitzeit von GrundschullehrkräftenUnterrichtsverpflichtung und zeitliche Beanspruchung viel zu hoch!

Eine aktuelle Arbeitszeitstudie aus Niedersachsen zeigt Handlungsbedarf. 2015 wurde von der Kooperationsstelle Hochschule und Gewerkschaften an der Uni Göttingen im Auftrag der niedersächsische GEW eine Arbeitszeitstudie, an der über 3.000 Lehrkräfte teilnahmen, durchgeführt, die valide Aussagen zur Arbeitszeit auch von Grundschullehrkräften macht und Handlungsbedarf zeigt.

 

02.10.2018 - Aus GEW-Zeitung 10/2018

  • Die Studie geht davon aus, dass Lehrkräfte 46:38 Wochenstunden in den Unterrichtswochen arbeiten müssten, um die 40Wochenstunde, die für die allgemeinen Beamten gilt, zu erfüllen. Das bedeutet, dass sie weder an Samstagen, Sonntagen, Feiertagen oder Ferientagen irgendwelche dienstlichen Tätigkeiten ausüben.
    Im Schnitt arbeiten Grundschullehrkräfte pro Woche 1:20 Zeitstunden mehr als die 40Stunden-Woche für die allgemeinen dortigen Landesbeamten vorgibt.
  • Grundschullehrkräfte haben die höchste Unterrichtsverpflichtung von allen Schularten und sie sind stärker als alle anderen Lehrkräfte an die Arbeit in der Schule gebunden.
  • Unterricht und Aufsichtszeiten machen im Grundschulbereich gut 40% der Arbeitszeit aus. Die Gestaltung des Arbeitsraums und pädagogische Kommunikation nehmen im Vergleich mit anderen Schularten mehr Zeit ein, gut 16%. Etwa 25% der Arbeitszeit nehmen Vor und Nachbereitung und Korrekturen, Dokumentationen ein.
  • Die 45Minuten-Unterrichtsstunde in Niedersachen erzeugt laut Studie 2:00 Stunden Arbeitszeit. Selbst wenn wir für die Vorbereitung einer 50-Minuten-Stunde nicht mehr Zeitaufwand einrechnen, erhöht sich der zeitliche Umfang der Arbeit an der Schule in RLP zusätzlich durch das Betreute Frühstück von unterrichtstäglich 15 Minuten und um den Offenen Anfang, der in den meisten Grundschulen praktiziert wird.
  • Ein weiteres signifikantes Ergebnis der Studie ist die Feststellung der „Entgrenzten Arbeit“. Fast 4 Stunden pro Schulwoche wird an Wochenenden durchgängig gearbeitet, ebenso recht umfängliche Arbeit findet an Feiertagen und in den Ferien. Somit fehlt die notwendige Zeit für ungestörte Erholung und Entspannung.
  • 17 % der Grundschullehrkräfte arbeiten mehr als 48 Stunden während der Unterrichtszeit und überschreiten somit den arbeitsrechtlich erlaubten Maximalwert.
  • Besonders hoch ist die zeitliche Mehrbelastung von Teilzeitkräften, die mehr Zeit für Vor und Nachbereitung aufwenden können und die nicht teilbaren Aufgaben z.B. Klassenleitung, Konferenzen voll ableisten. Sie sind durchschnittlich mit mehr als 2 Stunden pro Woche zusätzlich belastet.

Grundschullehrkräfte arbeiten am Limit, teilweise ist es schon überschritten. Auch wenn sie während der Schultagen nur knapp über der verlangten Arbeitszeit liegen, so lässt die Arbeit in einem Teil der Ferien und an den Wochenenden keine ausreichende Erholung zu. Oftmals wird die gesetzlich vorgeschriebene tägliche Begrenzung der Arbeitszeit überschritten.

Das einzig richtige Mittel ist die Anpassung der zeitlichen Beanspruchung der Lehrkräfte an das durch die Arbeitszeitverordnung geltende Zeitmaß, die 40-Stunden-Woche für die Vollzeitbeschäftigten. Die Beanspruchung der Teilzeitkräfte darf nur in dem Umfang, erfolgen wie es ihrem Teilzeitumfang entspricht.

Die niedersächsische Landesregierung befindet sich noch in der Prüfung, welche Konsequenzen sie aus der Arbeitszeitstudie ziehen will. Die Ergebnisse der Studie aus Niedersachen gelten für Lehrkräfte in RLP ganz genauso. Anhand von einem erstem Einblick – etwa 20 Lehrkräfte haben sich beteiligt – können wir die Ergebnisse der Studie nachvollziehen:

  • SpitzenTagesarbeitszeiten von bis zu 15 Stunden
  • SpitzenWochenarbeitszeiten von 60 Stunden
  • Regelmäßig Arbeit an den Wochenenden
  • Größere Belastung der Teilzeitkräfte
  • Hohe Streuung der Arbeitszeit

Eine weitere Rückmeldung aus den von uns durchgeführten Arbeitszeiterfassungen war die Schwierigkeit, die tatsächlich geleistete Arbeit zu erfassen. Viele, oft recht zeitaufwändige Arbeiten werden nicht als solche registriert, wie z.B. die dienstliche Kommunikation mit Kolleginnen und Kollegen, Arbeitsplatzorganisation, Gestalten der Schulräume, Beschäftigung mit Fachliteratur. Die hohe zeitliche Beanspruchung, der persönliche Einsatz und die Verrichtung einer anspruchsvollen und professionellen Arbeit in den Grundschulen ist den Lehrkräften häufig nicht bewusst.

Angesichts des Lehrkräftemangels bekommt die Arbeitszeit-Studie aus Niedersachsen eine besondere Brisanz:

Würden wieder mehr junge Leute Interesse am Lehrberuf in der Grundschule haben, wenn die Unterrichtsverpflichtung und die weiteren dienstlichen Tätigkeiten reduziert würden und die Bezahlung in der Grundschule der der anderen Lehrämter gleichgestellt würde? Das können wir mit einem klaren Ja beantworten.

Die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und die gleiche Bezahlung (nach den Regeln des höheren Dienstes) für die gleichwertige Arbeit der Lehrkräfte in den Grundschulen sind längst überfällig!

M. Krieger, D. Ross, C. Zurheide

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