GEW Rheinland-Pfalz
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Zeit der Veränderung nutzen – Arbeitsbedingungen an Hochschulen und Universitäten verbessern

GEW Rheinland-Pfalz zum Semesterbeginn

05.10.2021

Veränderungen der Hochschulstruktur und in Forschung und Lehre unter Pandemiebedingungen sind nur zwei der aktuellen Entwicklungen an Hochschulen und Universitäten in Rheinland-Pfalz. Zum Winterse­mester kehren Hochschulen und Universitäten in weiten Teilen endlich in den Präsenzbetrieb zurück. Zahl­reiche Studierende haben ihren Campus auch im vierten Semester noch nicht persönlich betreten. Das ist ein Zustand, der nicht unterschätzt werden darf: Tausende Studierende, die teilweise noch nie einen Hör­saal von innen gesehen haben, müssen nun an die alltäglichen Abläufe des universitären Lebens herange­führt werden. Es sind umfangreiche Begleitprogramme nötig, um das zu bewirken. Vor allem junge Men­schen aus Nichtakademiker*innen-Haushalten müssen nun schnelle Unterstützung erfahren, um den Anschluss nicht vollends zu verlieren. Auch wenn viele Lehrende in großer Anstrengung Online-Lehre ermöglichten, besitzt das Studieren und Arbeiten in Präsenz doch unersetzbare Vorzüge. Der Campus als sozialer Raum ist dabei nicht zu unterschätzen: Die schnelle Rückfrage nach der Vorlesung, der Austausch in der Mensa oder das Kennenlernen vieler neuer Leute auch in Veranstaltungen außerhalb des eigenen Lehrplans, all das sind essentielle oder hilfreiche Erfahrungen, die in dieser Zeit maßgeblich zu Entwicklung junger Menschen beitragen und beim Studium ungeheuer helfen. Die GEW Rheinland-Pfalz wünscht allen Studierenden und Beschäftigten der Hochschulen im Land einen guten Semesterstart und ein Winter­semester, das durchweg Gelegenheiten zu einem Studium im Austausch mit Lehrenden und Kommi­liton*innen bietet.

Für die GEW Rheinland-Pfalz ist deshalb jetzt der richtige Zeitpunkt, die Arbeitsbedingungen an den Hoch­schulen noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. „Das ist auch im Hinblick auf die Veränderung der Hochschulstruktur in Rheinland-Pfalz wichtig“, so der Vorsitzende der GEW Rheinland-Pfalz, Klaus-Peter Hammer. „Die GEW beanstandet schon lange die mangelnde Grundfinanzierung der Hochschu­len.“ Spätestens seit #IchBinHanna sei die prekäre Beschäftigung von großen Teilen der wissenschaftlichen Beschäftigten einer breiten Öffentlichkeit bekannt.

Die GEW Rheinland-Pfalz weist darauf hin, dass noch bis Ende November die Petition „Dauerstellen für Daueraufgaben“ unter dem Link https://www.gew.de/dauerstellen/petition-unterzeichnen/ unterzeichnet werden kann. „Wir werden uns weiter aktiv für eine höhere Grundfinanzierung und die Einrichtung von Dauerstellen für wissenschaftliche Beschäftigte an den Hochschulen und Universitäten beim Wissenschaftsministerium einsetzen“, so Hammer weiter. Wer heute die Arbeitsbedingungen des akademischen Mittelbaus kritisiere, war nicht selten in Vergangenheit bereits als studentische Beschäftigte bzw. studentischer Beschäftigter mit ihnen konfrontiert. In diesem Zusammenhang stehe auch die Arbeitsrealität der studentischen Beschäftigten an den Hochschulen im Fokus.

„Studentische Beschäftigte leisten wichtige Arbeiten, die von zentraler Bedeutung für Forschung und Lehre sind“, erläutert Vivien Nun, Sprecherin des Landesstudierendenausschusses der GEW Rheinland-Pfalz und Mitbegründerin von TVStud-Mainz. „Es ist Zeit für einen Tarifvertrag für studentische Beschäftigte.“ Auch in Rheinland-Pfalz habe sich im Zuge der bundesweiten Kampagne “Keine Ausnahme! Für die Verbesse­rung der Arbeitsbedingungen Studentischer Beschäftigter” (siehe www.tvstud.de) eine TVStud-Initiative gegründet, die von der GEW Rheinland-Pfalz unterstützt werde.  So sei der TVStud auch für die anstehende Tarifrunde zum TV-L eine wichtige Forderung der GEW.

Die GEW macht zudem darauf aufmerksam, dass es durch den örtlichen Zu- bzw. Rückzug nicht nur der neuen Erstsemester, sondern auch vieler Zweit-, Dritt- und Viertsemestler*innen, vermehrt zu überpro­portional großem Druck auf den sowieso schon angespannten (studentischen) Wohnungsmarkt kommen wird. „Es ist klar“, so Hammer, „dass sich die über Jahrzehnte angebahnte Wohnungskrise nun nicht in den nächsten Wochen lösen lassen wird. Jedoch sollte bei der Entwicklung der kommenden Lehrpläne und Veranstaltungen bedacht werden, dass es nicht allen Studierenden gelingen wird, bereits im kommenden Semester eine Wohnung oder ein Zimmer in Reichweite der Universität oder Hochschule zu ergattern.“ Die Betroffenen dürften deshalb weder abgehängt noch von der (Fort)Führung ihres Studiums abgehalten werden. Gleiches gelte für Studierende, die sich zurzeit nicht impfen lassen können oder solche Menschen in ihrem Verwandten- und Freundeskreis haben und deshalb aus Sicherheit dem Campus vorerst fernblei­ben (müssen). „Hybride oder digitale Angebote müssen also weiterhin in entsprechendem Umfang ange­boten werden“, so Hammer abschließend.

 

Mainz, 05.10.2021