GEW Rheinland-Pfalz
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Schulstart unter Corona

17.08.2020

Endlich wieder Schule für alle Schülerinnen und Schüler!

Der Neustart am heutigen Montag ist aus pädagogischer Sicht dringend notwendig

Der Arbeits- und Gesundheitsschutz muss dabei im Blick bleiben

Die GEW Rheinland-Pfalz begrüßt aus pädagogischer Sicht ausdrücklich, dass alle Schülerinnen und Schüler heute wieder zur Schule gehen dürfen. Denn die Corona-Krise hat sehr deutlich gemacht: Die Schule ist der beste Lernort, an dem alle Schülerinnen und Schüler das komplette Bildungsangebot in Zusammen­arbeit mit ihren Lehrkräften erhalten können. Viel zu viele Schülerinnen und Schüler waren in den letzten Monaten vom erfolgreichen Lernen aus den unterschiedlichsten Gründen abgehängt.

Das kommende Schuljahr wird ein Kraftakt. Es gilt nicht Erlerntes aufzuarbeiten, deshalb zu Beginn des Schuljahres stark zu individualisieren und dann erfolgreich voranzuschreiten. „Wir starten in das neue Schuljahr mit einer viel größeren Heterogenität“, so Klaus-Peter Hammer, Vorsitzender der GEW Rhein-land-Pfalz. „Kleinere Lerngruppen sind gerade deshalb jetzt so wichtig, damit die weiter geöffnete Schere der unterschiedlichen Lernausgangsbedingungen durch die Zusammenarbeit mit den Lehrkräften wieder geschlossen werden kann. Multiprofessionelle Teams, die wir seit Jahren fordern, sind nun wichtiger denn je.“

Nach Ansicht der GEW Rheinland-Pfalz sind individuelle Förderangebote notwendig. Die Umsetzung erfor­dert deutlich mehr Personal. Die jahrelange Bildungsunterfinanzierung führte u.a. zum Festhalten an viel zu großen Lerngruppen, was sich jetzt in der Pandemie-Situation in mehrerlei Hinsicht negativ auswirkt. Unsere Gesellschaft braucht jetzt den Wiedereinstieg für alle Schülerinnen und Schüler, aber in kleineren Lerngruppen. Die GEW fordert seit Jahren mehr Personal für die Schulen und hat in vielen Gesprächen der letzten Wochen erwirken können, dass zusätzliche Mittel im Landeshaushalt wenigstens für Vertretungs­situationen zeitnah zur Verfügung gestellt werden sollen.

Kleinere Lerngruppen ermöglichen aber nicht nur eine bessere Individualisierung des Unterrichts, sie sind auch der angemessene Rahmen für den Umgang mit Corona in den Schulen und Klassen. Das Schuljahr 2020/21 beginnt für viele Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern mit großer Sorge,

die ernst zu nehmen ist. Ein unbeschwerter Schulstart, so wie wir ihn aus den letzten Jahrzehnten kennen, ist leider nicht denkbar. Es müssen Regeln und Hygienemaßnahmen weiterhin eingehalten werden, wie wir sie an den Schulen bisher nicht gekannt haben, damit der Lernort Schule so lange wie möglich für alle Schülerinnen und Schüler geöffnet sein kann.

Die erneut steigenden Fallzahlen verunsichern zusätzlich. So ist die große Sorge nachvollziehbar, dass Schulen zu Hotspots werden könnten. „Es ist ganz entscheidend, dass die Schulaufsicht und die Schullei­tungen sensibel mit den Ängsten der Schulgemeinschaft umgehen und schnell die jeweils anstehenden Entscheidungen treffen“, so Hammer.

Damit dies gelingt, muss der Arbeits- und Gesundheitsschutz über die Fortschreibung des Hygieneplans an Schulen eine zentrale Bedeutung haben. Damit möglichst lange ein normaler Schulbetrieb stattfinden kann, müssen auch von den Schulträgern die notwendigen Maßnahmen ergriffen werden. Dazu gehören vorrangig die konsequente Umsetzung eines geeigneten Lüftungskonzepts und gemeinsam mit den Schu­len erarbeitete Konzepte der Reinigung. Auch bauliche Anpassungen können an dieser Stelle notwendig werden.

Der sichere Schülertransport unter den aktuellen Herausforderungen fällt ebenfalls vollumfänglich in die Verantwortung der Schulträger.

Die GEW begrüßt es, dass in den kommenden Wochen Lehrkräfte die Möglichkeit eines freiwilligen und kostenlosen Corona-Tests erhalten. Jedoch gehen wir davon aus, dass bei regional anwachsendem Infek­tionsgeschehen symptombezogen gezielt und breit getestet werden muss.

Die GEW verbucht es als einen Erfolg ihres gewerkschaftlichen Engagements der letzten Monate, dass ne­ben den Schülerinnen und Schülern nun auch allen Lehrkräften digitale Endgeräte kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Auch die Anwendungsbetreuung durch qualifiziertes Fachpersonal erscheint nun durch die Mittel aus dem Digitalpakt 3 gesichert.

„Die Schulen brauchen in diesem Schuljahr ganz sicher deutlich mehr Personal als es bisher der Fall war. Erst recht, wenn unterschiedliche Szenarien umgesetzt werden müssen. Es reicht bei weitem nicht aus, lediglich die Planstellen, wie sie bisher vom Land vorgesehen wurden, zu besetzen. Es müssen mehr Haus­haltsmittel eingeplant werden, damit es gelingt, die individuelle Förderung in multiprofessionellen Teams in kleineren Lerngruppen umzusetzen und coronabedingte Vertretungssituationen auffangen zu können. Maßnahmen zur Qualifizierung fehlender Fachkräfte müssen weiter ausgebaut werden“, so Hammer.

Zurzeit arbeiten Schulleitungen und Lehrkräfte am Rande ihrer Leistungsgrenze. Auch die abgelaufenen Sommerferien waren sehr arbeitsintensiv, damit der vollumfängliche Schulstart in Rheinland-Pfalz gelin­gen kann. Daher fordert die GEW Rheinland-Pfalz eindringlich, dass deutlich mehr Zeitkontingente gewährt werden müssen, um die Weiterentwicklung und Umsetzung pädagogischer Konzepte zu ermöglichen.

 

 

Mainz, 17.08.2020