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Novellierung des Kindertagesstättengesetzes: „GEW fordert deutlich verbesserte Rahmenbedingungen.“

06.10.2016

Vor nahezu 300 Erziehungsfachkräften aus den Kindertagesstätten des Landes, die heute auf Einladung der GEW Rheinland-Pfalz in den Räumen des Campus Koblenz der Universität Koblenz-Landau an einer Fachtagung zum Thema „Kultursensitive Frühpädagogik“ teilgenommen haben, forderte der Landesvorsitzende der GEW Rheinland-Pfalz, Klaus-Peter Hammer, die bevorstehende Novellierung des Kindertagesstättengesetzes dazu zu nutzen, die pädagogischen Rahmenbedingungen in den Einrichtungen deutlich zu verbessern.

Die Arbeit in den Kindertagestätten spiele für die Bildungsbiografien der Kinder sowie für eine erfolgreiche Entwicklung inklusiver Bildung eine Schlüsselrolle. Diese Ansicht sei unstrittig und werde von der Fachwissenschaft untermauert, als auch von Seiten der Politik mit entsprechenden Argumenten belegt. „Jedoch mangelt es an geeigneten Umsetzungsmaßnahmen, denn Lippenbekenntnisse alleine reichen nicht“, sagte Hammer. Die GEW fordere eindringlich die Schaffung notwendiger Rahmenbedingungen, damit das pädagogische Personal der Kindertagesstätten in der Lage ist, wichtige Aufgaben, wie beispielsweise eine qualifizierte Sprachförderung oder die individuelle Begleitung der Kinder in ihren Lernprozessen, umzusetzen. Dies gelte insbesondere auch im Hinblick auf die Aufnahme von Kindern aus geflüchteten Familien.

Der GEW-Landesvorsitzende verlangte in diesem Zusammenhang unter anderem das Personal in den Kindertagesstätten aufzustocken: „Zunächst brauchen wir eine deutlich verbesserte Fachkräfte-Kind-Relation.“ Auch sollten nach Auffassung der GEW bessere und vor allem gesicherte sowie landeseinheitliche Stundenkontingente für Leitungstätigkeiten bereitgestellt werden. „Wie sollen Kolleginnen und Kollegen, die eine Kindertagesstätte leiten, ihren vielfältigen Leitungsaufgaben gerecht werden können, wenn für diese Tätigkeiten überhaupt keine oder jedenfalls keine ausreichende Zeit im Personalschlüssel vorgesehen ist?“, fragte Hammer. „Ich möchte in diesem Zusammenhang auch alle Träger auffordern, die tarifvertragliche Regelung umzusetzen, die die Bestellung einer stellvertretenden Leitung vorgibt. Da hinken skandalöser Weise viele Träger hinterher oder verweigern sich gar“, so der Landesvorsitzende.

Während die Erziehungsfachkräfte weiterhin sehr motiviert arbeiteten, um den in den letzten Jahren erheblich gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden, sieht die GEW das Land und die Träger von Kindertageseinrichtungen in besonderer Weise in der Pflicht. Diese müssten umgehend die rechtlichen sowie finanziellen Voraussetzungen schaffen, um kleinere Gruppen und die Einstellung von zusätzlichem Personal zu ermöglichen.

In diesem Zusammenhang sei es auch wichtig, Ausfallzeiten, die beispielsweise durch Urlaub, Arbeitsunfähigkeit oder Teilnahme an Fortbildungsveranstaltungen entstehen, durch geeignetes Fachpersonal aufzufangen. „Wir brauchen Vertretungen durch pädagogisches Fachpersonal ab dem ersten Tag. Hier sind die Träger aufgefordert kreative Lösungen zu finden. In Städten, Kreisen oder Verbandsgemeinden kann ich mir beispielsweise gemeinsame Vertretungspools vorstellen. Dafür gebe es im Land bereits positive Beispiele. Im neuen Kindertagesstättengesetz wünsche ich mir dazu zwingende und vor Ort durchsetzbare Regelungen sowie Kontrolle durch das Land“, so der GEW-Landesvorsitzende Klaus-Peter Hammer.

„Die Situation in unseren Kindertageseinrichtungen“, so Hammer abschließend, „ist alarmierend. Aufgrund der unzureichenden personellen Ausstattung und dem dramatischen Fachkräftemangel kommt es vielerorts zu Überlastungen. Der Krankenstand ist hoch. Wir müssen Sorge haben, ob die Beschäftigten unter den geltenden Bedingungen den Grundbedürfnissen der Kinder überhaupt gerecht werden können.“

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