GEW Rheinland-Pfalz
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GEW fordert mit Beginn des neuen Schulhalbjahrs aktives Handeln der Landesregierung für gesicherten Gesundheitsschutz der Beschäftigten und Planungssicherheit für die Schulen

19.01.2021

Eine Abkehr vom Fernunterricht vor dem 01.02.21 wäre aus Sicht der GEW Rheinland-Pfalz kontraproduktiv, um die Pandemie zum jetzigen Zeitpunkt in den Griff zu bekommen.

Planbarkeit
Die GEW Rheinland-Pfalz fordert von der rheinland-pfälzischen Landesregierung, dass die Schulen frühzeitig und mit ausreichendem Vorlauf darüber informiert werden, ob sie nach dem 25.01.21 weiterhin im Fernunterricht arbeiten oder nicht. Die Kolleginnen und Kollegen sowie die Schulleitungen erleben derzeit eine erhebliche Arbeitsverdichtung. Sie brauchen dringend ausreichend zeitlichen Vorlauf, um sich auf neue Entscheidungen der Landesregierung einzustellen und um die jeweiligen Konzepte weiterzuentwickeln.
„Solange die Zahl der Corona-Infektionen nicht deutlich rückläufig ist, kann aus Sicht der GEW ein regulärer Schulbetrieb nicht stattfinden. Es muss auf jeden Fall verhindert werden, dass zu frühe Lockerungen ständige Umplanungen in den Schulen erforderlich machen“, erläutert Klaus-Peter Hammer, Vorsitzender der GEW Rheinland-Pfalz.

Wissenschaftlichkeit
Die Inzidenzwerte müssen dringend beachtet und auf ein Niveau gesenkt werden, dass eine lückenlose Rückverfolgung der Ansteckungsketten wieder ermöglicht. Die drohenden Auswirkungen der neuartigen Corona-Virus-Mutationen müssen ernst genommen und berücksichtigt werden. Schulen sollen auch 2021 weiterhin so sicher bleiben, dass sie nicht zu Orten der massiven Ausbreitung von Corona werden.
„Die derzeitige Unkenntnis über die Virusmutationen verändert die Diskussionsgrundlage bezüglich der Öffnung der Schulen“, so Hammer. „Gerade weil wir nicht genau wissen, ob die Hygienemaßnahmen aus dem Jahre 2020 nun weiterhin tragfähig bleiben, müssen wir die Situation neu bewerten und notfalls andere Entscheidungen fällen, wie z.B. dass Schulen länger im Fernunterricht oder im Wechselmodell arbeiten als ursprünglich vorgesehen. Eine entscheidende Verantwortung haben hierbei die medizinischen Beraterinnen und Berater der Landesregierung. Deren Expertise muss Maßstab für das politische Handeln sein.“

Arbeits- und Gesundheitsschutz
Die GEW Rheinland-Pfalz setzt sich deutlich für das Recht auf Bildung aller Schülerinnen und Schüler ein. Doch hierzu gehört auch ein Maximum an gutem Arbeits- und Gesundheitsschutz an den Schulen. Dies ist für die Eltern, die Ausbildungsbetriebe, die Schülerinnen und Schüler und für die Lehrkräfte von entscheidender Bedeutung.
„Es reicht nicht, über Arbeits- und Gesundheitsschutz zu reden, es muss auch erkennbar gehandelt werden“, so Hammer weiter. „Auch, wenn es weiterhin viel Geld kostet. Es ist skandalös, dass immer noch über die Notwendigkeit von Lüftungsanlagen für Schulräume, die nicht angemessen gelüftet werden können, gestritten wird. Wir dürfen nicht weiter zulassen, dass es der Einzelinitiative einer Schulleitung gegenüber dem Schulträger überlassen bleibt, ob entsprechende Entlüftungsanlagen in Klassensälen eingebaut werden oder nicht. Es ist ein Skandal, dass sich Schulen zur entsprechenden Finanzierung Sponsoren suchen müssen.“
Die GEW fordert die jeweiligen Schulträger auf, diese sinnvollen Investitionen zu ermöglichen und nicht zu blockieren.
Derzeit wird bundesweit über die Pflicht diskutiert, in der Öffentlichkeit FFP-2-Masken zu tragen. In diesem Zusammenhang fordert die GEW das Bildungsministerium auf, für einen angemessenen Einsatz von FFP-2-Masken zu sorgen und diese in ausreichender Anzahl den Lehrkräften zur Verfügung zu stellen.

Recht auf Bildung
Die GEW stellt folgende Forderungen:

Falls Fernunterricht über den 01.02.21 hinaus weiter angeboten werden muss:

  • Es müssen gezielte Lernangebote für Schülerinnen und Schüler aus bildungsbenachteiligten Umfeldern entwickelt werden.
  • Zu diesem Zweck muss Personal eingestellt und „Multiprofessionelle Teams“ an Schulen eingesetzt werden.
  • Jugendämter müssen gestärkt werden.
  • Schulsozialarbeit ist sofort auszubauen.
  • Abschlüsse müssen erreicht werden können. Entsprechende Maßnahmen sind zu treffen.


Unterricht im Wechselmodell:

  • Präsenzpflicht und Schulpflicht sollte wieder zusammengeführt werden.
  • Für den Wechselunterricht sind je nach Schulart individuelle Modelle zu ermöglichen.
  • Insbesondere vor dem Hintergrund der Personal- und Raumsituation vor Ort ist die Frage der Notwendigkeit zur Notbetreuung für die Jahrgangsstufe 7 zu flexibilisieren.
  • Es sind Aktivitäten zur Personalgewinnung für die Betreuung von Notgruppen zu starten. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass entsprechende Finanzmittel zur Verfügung stehen.
  • Vor dem Hintergrund der Corona-Virus-Mutationen sind schulische Hygienemaßnahmen zu evaluieren und ggf. zu modifizieren.
  • Es sind deutlich mehr Schulbusse einzusetzen, um ausreichend Abstand zu gewährleisten und damit Ansteckungssituationen zu minimieren.


Digitale Lernplattformen:
Generell sollten Schulen die Möglichkeit und den Freiraum haben, auch über das Ende des Schuljahres 2020/21 hinweg EU-DSGVO konforme Plattformen und Tools benutzen zu dürfen, wenn damit stabilere Lernumgebungen für die Schülerinnen und Schüler und die Beschäftigten hergestellt werden können. Ein Festhalten an nur einer Plattform wie BigBlueButton im Sinne einer einheitlichen Landeslösung ist erst dann sinnvoll, wenn sämtliche notwendigen Funktionalitäten für das Arbeiten mit Schülerinnen und Schülern auch verlässlich und stabil eingebettet sind, gerade auch für die vielerorts angeschafften Produkte der Firma Apple, die im Moment nicht selten Schwierigkeiten machen. Die Einführung des digitalen „Schulcampus Rheinland-Pfalz“ als neue übergreifende Plattform muss daher zügig umgesetzt und mit ausreichenden Finanzmitteln, auch für entsprechende Fortbildungen, ausgestattet werden.


„Es liegen noch schwere Zeiten vor uns“, so Hammer abschließend. „Wir erwarten von der Landesregierung weitere Maßnahmen und Anstrengungen, um einen ausreichenden Gesundheitsschutz an den Schulen nicht nur zu definieren, sondern auch umzusetzen. Dazu gehört auch eine entsprechende Einflussnahme auf die Schulträger.“