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Arbeitsgemeinschaft Kinder und Jugendhilfe will vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung fördern

Die Arbeitsgemeinschaft für Jugendhilfe (AGJ) hat Positionen zur Interkulturalität, Vielfalt und Demokratieerziehung in der Kindertagesbetreuung formuliert. Die GEW veröffentlicht die Positionen auszugsweise und stellt das lesenswerte Dokument als Download zur Verfügung.

23.10.2017

AGJ: Vielfalt. Kind. Gerecht. Gestalten. Interkulturalität, Vielfalt und Demokratieerziehung in der Kindertagesbetreuung (Auszüge aus dem Positionspapier der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe)

Einleitung
Mit diesem Positionspapier will die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ die wesentlichen Entwicklungsnotwendigkeiten im System der Kindertagesbetreuung im Kontext von Vielfalt und Interkulturalität deutlich machen, Ansätze für ein wertschätzendes Miteinander skizzieren und damit vor allem Fach- und Leitungskräfte in der Kindertagesbetreuung in ihrem Handlungsrepertoire unterstützen.

Vielfalt in der Kindertagesbetreuung Rechnung tragen
Die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ unterstreicht, dass Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflegepersonen mit Blick auf die wachsende Vielfalt und Heterogenität in der Gesellschaft interkulturelle Kompetenzen brauchen. Die Fähigkeit, in Situationen kultureller Vielfalt effektiv und angemessen zu agieren, wird durch Einstellungen und Haltungen, emotionale Aspekte, (inter-)kulturelles Wissen, spezielle Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie allgemeine Reflexionskompetenz befördert. Es bedarf der Qualifizierung und der Schaffung von Unterstützungsstrukturen, die die kritische Reflexion des eigenen Handelns und den offenen Diskurs zu Haltungsfragen befördern. Vorurteile lassen sich nicht einfach auflösen, sie müssen bewusst wahrgenommen und im Kontext der eigenen pädagogischen Arbeit reflektiert werden. Nur so können Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflegepersonen eine vorurteilsbewusste Haltung entwickeln und durch ihr Handeln entsprechende Entwicklungsprozesse bei Kindern, ihren Familien und auch bei ihren Kolleginnen und Kollegen anstoßen und befördern. Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung stärken.

Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung stärken
Die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ regt an, dass Leitungskräfte in enger Zusammenarbeit mit ihren Teams und den zuständigen Fachberatungen Konzepte für die Elternarbeit im Zusammenhang mit dem Anspruch von vorurteilsbewusster Bildung und Erziehung entwickeln. Nur durch eine enge Zusammenarbeit mit den Eltern kann das Alltagserleben der Kinder und ihrer Familien zum zentralen Ausgangspunkt pädagogischen Handelns werden und die vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung der Kinder befördern. Dazu brauchen pädagogische Fachkräfte, Kindertagespflegepersonen und Leitungskräfte die Möglichkeit, sich durch Fortbildungen zunächst selbst zu bilden und die eigene Haltung zu reflektieren. Der Anti-Bias-Ansatz kann hier als eine Möglichkeit der Fortbildung in diesem Kontext genannt werden. Er kann jedoch nur mit einer fachlichen Verständigung und kontinuierlicher Auseinandersetzung im Team über vorhandene Vorurteile und Ausgrenzungstendenzen untereinander und in der Gruppe der Eltern und Kinder wirksam werden.

Demokratie ermöglichen und von klrin suf umsetzen
Die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ fordert Fach- und Leitungskräfte, Kindertagespflegepersonen, Träger und Fachberatungen auf, dem hohen Stellenwert von Demokratieerziehung und Menschenrechtsbildung für die Kindertagesbetreuung in ihrer Arbeit Rechnung zu tragen. Um auf Ausgrenzungstendenzen im Alltag pädagogisch sinnvoll reagieren zu können, brauchen pädagogische Fachkräfte und Kindertagespflegepersonen Wissen über Demokratieerziehung und ihre Methoden, grundlegende Kenntnisse über die politische und soziale Lage in Regionen, aus denen Menschen fliehen, sowie rhetorische Fähigkeiten und Methoden, um Vorurteilen souverän begegnen zu können, extremistische und rassistische Aussagen zu entkräften und eine Reflexion anzustoßen. Politik, Träger und Leitungskräfte sieht die AGJ in der Pflicht, die notwendigen Unterstützungssysteme bereitzustellen.

Geschützte Räume und Handlungsmöglichkeiten schaffen
Die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ empfiehlt, Freiräume und zeitliche Kapazitäten für pädagogische Fachkräfte und Kindertagespflegepersonen zu schaffen, die ihnen das (Ein)Üben demokratischer Praktiken und die Auseinandersetzung mit Kinderrechten und ihrer Verwirklichung im Alltag der Kindertagesbetreuung ermöglichen. Neben einer theoretischen Fundierung, wie sie zum Beispiel das Konzept „Kinderstube der Demokratie“ bietet, bedarf es zeitlicher Ressourcen, um demokratische Prozesse und Beteiligungsinstrumente im Alltag zu reflektieren und zu implementieren.

Trägerverantwortung wahrnehmen und stärken
Die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ fordert die Träger von Kindertageseinrichtungen auf, ihre Verantwortung im Kontext von Vielfalt und Interkulturalität wahrzunehmen und sich den daraus ergebenden Herausforderungen bewusst zu stellen. Eine diversitätsbewusste Organisations- und Personalentwicklung ist dabei ebenso zu befördern wie die Einrichtung von Beteiligungs- und Beschwerdestrukturen für Mitarbeitende sowie die Zusammenarbeit und Vernetzung mit weiteren Akteuren im Sozialraum im Kontext interdisziplinärer Arbeit.

Kindertagespflege weiterentwickeln und stärken
Die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ empfiehlt den Umgang mit Vielfalt und Interkulturalität in der Kindertagesbetreuung kindgerecht zu gestalten und zum Anlass zu nehmen, die Kindertagespflege weiter zu qualifizieren. Darüber hinaus sollten weiterbildende Qualifizierungsmodule, welche die interkulturelle Kompetenz der Kindertagespflegepersonen fördern, die Grundqualifizierung ergänzen.

Vollständiges Positionspapier auf der Website der AGJ

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