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Projekt GreenSkills4VETNachhaltige Berufsbildung

Henrik Peitsch initiierte 2016 das Projekt GreenSkills4VET, bei dem es darum geht, auf Nachhaltigkeit gerichtete Kenntnisse und Kompetenzen in der Berufsausbildung zu verankern. Gefördert wurde das Projekt im Programm Erasmus+ der EU.

23.07.2019 - Armin Himmelrath, freier Journalist

  • E&W: Herr Peitsch, schon lange vor den Fridays-for-Future-Demonstrationen haben Sie in der Berufsbildung auf Nachhaltigkeit gesetzt. Warum?

Henrik Peitsch: Nachhaltigkeitsthemen sind für alle Unternehmen in allen Bereichen relevant – aus allgemeiner und sozialer Verantwortung, aber auch aus ökonomischen Gründen. Es liegt also auf der Hand, Wissen dazu möglichst schon den Auszubildenden zu vermitteln, damit sie lernen, nachhaltig zu handeln. Interessanterweise findet das aber bisher viel zu selten statt.

  • E&W: Und Sie bauen jetzt den berufskundlichen Unterricht komplett um?

Peitsch: Unser Projekt diente ja dazu, Erfahrungen zu sammeln und verschiedene Dinge auszuprobieren. Wir haben zunächst Transport/Logistik sowie die Gesundheits- und Krankenpflege als beispielhafte Berufsfelder ausgewählt, um die angehenden Speditionskaufleute sowie die Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und -pfleger entsprechend zu qualifizieren. Dabei sind digitale Unterrichtsmaterialien entstanden, beispielsweise drei Webquests und auch eine App für die Ausbildung der Kaufleute für Spedition und Logistikdienstleistung.

  • E&W: Wie begeistert haben die Azubis denn mitgemacht?

Peitsch: Die Schülerinnen und Schüler müssen natürlich erstmal einen Zugang zu den neuen Lernformen und auch dem Problembereich der Nachhaltigkeit entwickeln und herausfinden: Was ist Nachhaltigkeit, wie kann ich offene Bildungsmaterialien (OER) nutzen und auch selbst entwickeln? Sie haben die Aufgabe bekommen, für ein Modellunternehmen ein nachhaltiges Entwicklungskonzept zu entwerfen und dabei auch die praktische Umsetzung zu überprüfen. Welche Wege sie dabei beschreiten, entscheiden sie selbst. Das beginnt beim Einsatz von LED-Lampen im Betrieb und geht bis auf die Unternehmensebene, etwa bei der klimaneutralen Gestaltung der Logistik.

  • E&W: Sie wurden dabei von der EU unterstützt. Warum?

Peitsch:GreensSkills4VET ist ein europäisches Projekt über Ländergrenzen hinweg. Wir verbinden da zwei innovative Linien: einerseits die Nachhaltigkeit, andererseits die Entwicklung offener Bildungsmaterialien. Beteiligt sind Kooperationspartner in Deutschland, Österreich, Frankreich, Griechenland und Bulgarien, insgesamt sieben Institutionen. Wer da mitmacht, landet also automatisch in einem europaweiten Netzwerk. Und es ist spannend zu sehen, wie die Berufsbildung in den einzelnen Ländern mit unseren Themen umgeht. Zudem sind Nachhaltigkeit und Digitalisierung auch zwei Entwicklungspfade der EU.

  • E&W: Können denn so unterschiedliche Länder und Bildungssysteme überhaupt voneinander lernen?

Peitsch: Ja, auf jeden Fall. Das Ganze wurde unter der Leitung von Christel Kumbruck, Professorin an der FH Osnabrück, realisiert und ausgewertet. Die Ergebnisse dieser Forschung sind eindeutig: Das Thema Nachhaltigkeit und die Nutzung von OER-Materialien spielen in der beruflichen Bildung EU-weit eine noch viel zu geringe Rolle. Diese Lücke wollten wir schließen. Das ist uns ziemlich gut gelungen.

  • E&W: Wie geht es jetzt weiter?

Peitsch: Im November ist die erste Förderphase ausgelaufen, jetzt müssen wir die Erkenntnisse umsetzen. „Weitermachen!“, hat der Philosoph Herbert Marcuse mal gefordert. Darum geht es jetzt: die Ergebnisse in die Fläche zu tragen. Denn eins ist doch klar: Nachhaltigkeitskompetenzen sind Schlüsselfähigkeiten zur Erhaltung der Lebensgrundlagen auf unserem Planeten – und zwar nicht nur für uns, sondern global.

Henrik Peitsch, Jahrgang 1944, war Berufsschullehrer sowie Lehrbeauftragter der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Er engagiert sich seit langem in der GEW. Nachhaltigkeit und soziale Kooperation sind Themen, die ihm besonders am Herzen liegen.

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