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Los AngelesStreik amerikanischer Lehrkräfte bringt Erfolg

Nach zwei Jahren zäher Verhandlungen und sechs Tagen Streik, an dem sich 30.000 Lehrkräfte beteiligt haben, hat die amerikanische Gewerkschaft United Teachers Los Angeles (UTLA) eine Vereinbarung mit dem Schulamt Los Angeles getroffen.

30.01.2019 - Hermann Nehls

Streik an 900 öffentlichen Schulen in Los Angeles
„Das Ergebnis ist ein Paradigmenwechsel für die Stadt und das Land, weil  es eine Verpflichtung beinhaltet, notwendige Ressourcen und Bedingungen für das Lehrpersonal zu sichern, damit Kinder in den öffentlichen Schulen von L.A. lernen können“, sagte Randi Weingarten, Präsidentin der American Federation of Teachers (AFT), der die UTLA angehört.  Der Streik, der am 14. Januar 2019 begann und die stockenden Verhandlungen voran bringen sollte, war die erste Arbeitsniederlegung in den öffentlichen Schulen von L.A. seit 30 Jahren. Betroffen waren 500.000 SchülerInnen an 900 Schulen. Die Gewerkschaften beklagen, dass die Unterrichtsbedingungen in den Schulen der Stadt unhaltbar sind. Sie stellten drei zentrale Forderungen in den Vordergrund: Das Gehalt des Lehrpersonals, die Klassengröße und die personelle Ausstattung  der Schulen. „Wir fordern Respekt“ und „Wir streiken für unsere SchülerInnen“ war auf vielen Transparenten zu sehen.

Es geht um Qualität und mehr Ressourcen für Bildung
Mit diesen Themen haben die Gewerkschaften ‚ins Herz des öffentlichen Bildungswesens der USA‘ getroffen sagte Kent Wong, der Direktor des Labor Center’s der Universität von L.A.  Es geht um die Lehr- und Lernbedingungen an öffentlichen Schulen, deren Ressourcen und Finanzausstattungen über Jahrzehnte gekürzt wurden. Die Qualität der öffentlichen Schulen in den USA wird von vielen als schrecklich bezeichnet. In L.A. können nicht einmal die vereinbarten Klassengrößen  von 32 SchülerInnen in Elementarschulen, 35 in der Klasse 4 bis 6, 39 in den höheren Jahrgangsstufen eingehalten werden.

Welle von Lehrerstreiks in den USA
Die Zeitschrift „The Atlantic“ spricht davon, dass die Lehrergewerkschaften eine neue Ära der US-Gewerkschaftsbewegung einleiten. Zeitgleich mit dem Streik in Los Angeles gab es Aktionen in Oakland, Kalifornien, in Denver, Colorado, und am 28. Januar 2019 einen Aktionstag im Bundesstaat Virginia. Auch hier ging es um bessere Ausstattung  der Schulen, Klassengröße  und bessere Bezahlung des Lehrpersonals. Für die Lehrergewerkschaften in den USA ist das eine neue Entwicklung. Über Jahrzehnte gab es nur isolierte, von der Öffentlichkeit kaum beachtete Aktionen. Das hat sich jetzt geändert. Das Amt für Arbeitsstatistik (Bureau of Labor Statistics)  hat für das Jahr 2018 errechnet, dass sich mehr als 380.000 LehrerInnen an Streiks beteiligt haben. Mit dem Streik in L.A. liegt die Zahl jetzt bei knapp 410.000.  

US-Lehrergewerkschaften im Aufschwung
Die Gewerkschaften in den USA stehen grundsätzlich nicht gut da. Nur 10,5 Prozent der Beschäftigten waren 2018 noch Mitglied in einer Gewerkschaft. Doch das unterscheidet sich stark nach privatem und öffentlichem Sektor: Während die Mitgliedschaft im privaten Bereich gerade einmal bei 6,4 Prozent liegt, macht der öffentliche Sektor immer noch 33,9 Prozent aus. Die Befürchtung war, dass durch neue Gesetze, die die Finanzierungsmöglichkeiten der Lehrergewerkschaften einschränken, die Mitgliedszahl zurückgehen könnte. Danach sieht es überhaupt nicht aus. Die Lehrergewerkschaften in den USA sind munterer denn je.   

 

Der Autor Hermann Nehls war von 2014 bis 2017 Sozialreferent an der Deutschen Botschaft in Washington

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