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Konflikte lösen mit Gewaltfreier Kommunikation

Kraftraubende Konflikte sind ein alltägliches Phänomen in allen Erziehungs- und Bildungskontexten. Ob Machtkämpfe im Jugendzentrum, Prügeleien auf dem Pausenhof, Streitigkeiten in der Kita oder Lästern im Kollegium: Es scheint unvermeidlich zu sein, dass in pädagogischen Situationen immer wieder individuelle Interessen übergangen werden und negative Gefühle aufkommen. Dabei gibt es seit Jahrzehnten mit der „Gewaltfreien Kommunikation“ nach Marshall B. Rosenberg einen vielfach erprobten Weg zum produktiven Umgang mit zwischenmenschlichen Konflikten. Ziel dieses Ansatzes ist es, ein kooperatives Miteinander zu schaffen, das von Rücksichtnahme, Respekt, Empathie und Konsens geprägt ist und allen Beteiligten gerecht wird.

01.02.2015 - Dominik Müller

Hinter Konflikten stecken unerfüllte Bedürfnisse
Die Gewaltfreie Kommunikation geht von der Grundannahme aus, dass jedes menschliche Handeln eine konkrete Strategie ist, um dahinter liegende, abstrakte Bedürfnisse zu befriedigen: beispielsweise Liebe, Sinn, Sicherheit, Freiheit, Harmonie oder Vertrauen. All diese Bedürfnisse gelten als uneingeschränkt positiv, sie schließen einander nicht aus und sind allen Menschen vertraut.

Durch einen aufmerksamen Blick, eine einfühlsame Haltung und eine klare Sprache kann es gelingen, die grundlegenden Bedürfnisse hinter einer individuellen Strategie zu entdecken, sie zu thematisieren und zum Ausgangspunkt partnerschaftlicher Beziehungen zu machen. Konflikte erscheinen dann nicht als Störungen, sondern als Ausdruck unbefriedigter, aber legitimer Bedürfnisse, welche durch einen Wechsel der Strategie zu ihrem Recht kommen können.

Gewaltfreie Kommunikation kann man lernen
Um einen derartigen partnerschaftlichen und lebensbejahenden Umgang zwischen Menschen in pädagogischen Praxisfeldern zu fördern, organisieren der Vorstandsbereich Junge GEW und der GEW-Kreisverband Mayen-Koblenz seit vergangenem Jahr Fortbildungsveranstaltungen, in denen die Gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg als persönliche und pädagogische Grundhaltung erlernt werden kann. Das Angebot wird vom Trainer Jochen Hiester geleitet, der langjährige praktische Erfahrung mit der Gewaltfreien Kommunikation hat und sie schon unzähligen Menschen in Erziehungs- und Bildungsberufen vermittelte. Das erste Seminar mit dem Titel „Konflikte kompetent lösen nach Marshall Rosenberg“ fand im März 2014 statt und begeisterte 25 Lehrkräfte, ErzieherInnen, PädagogInnen und Studierende. Einen Tag lang lernten die TeilnehmerInnen sowohl theoretisch als auch in vielen praktischen Übungen grundlegende Bestandteile des Rosenberg’schen Kommunikationsmodells kennen.

Strategien sind keine Bedürfnisse
Im Mittelpunkt stand dabei die Unterscheidung von „Bedürfnissen“ und „Strategien“, die im Alltag leicht verwechselt werden können. So folgt beispielsweise eine Schülerin, die im Unterricht durch Zwischenrufe vermeintlich „stört“, nicht etwa einem Bedürfnis nach Unruhe (dies ist kein lebensbejahendes Bedürfnis), sondern strebt möglicherweise Freiheit, Unterstützung oder Akzeptanz an. Es sind nicht jene positiven Bedürfnisse, die mit den Werten der Lehrkraft kollidieren, sondern die individuell gewählte Strategie des „Reinrufens“. Gewaltfrei zu kommunizieren heißt nun, die positiven Bedürfnisse der Schülerin zu erfragen, diese wertzuschätzen und einen Dialog auf Augenhöhe einzuleiten, um gemeinsam eine alternative Strategie zu finden, die sowohl das Anliegen des Gegenübers ernst nimmt als auch den eigenen Werten entspricht. Dass ein solches Vorgehen in pädagogischen Organisationen teilweise durch deren institutionelle Logik erschwert werden kann, war ebenfalls inhaltlicher Bestandteil des Seminars. So setzten sich die TeilnehmerInnen unter anderem mit ihrer pädagogischen Macht auseinander, die nicht einfach aufzuheben ist, aber im Umgang mit Kindern und Jugendlichen transparent gemacht und verantwortungsvoll genutzt werden kann.

Einladung zur Gewaltfreien Kommunikation
Aufgrund des großen Interesses an dieser ersten Veranstaltung (das sich in einer langen Warteliste äußerte) wird es auch im Jahr 2015 wieder GEW-Fortbildungsveranstaltungen zur Gewaltfreien Kommunikation geben:
Am 21. Februar findet das Einsteiger-Seminar „Konflikte kompetent lösen nach Marshall Rosenberg“ statt. Darin wird Trainer Jochen Hiester mithilfe konkreter Übungen aufzeigen, wie es im Berufsalltag zunehmend gelingen kann, in Konfliktsituationen mit dem eigenen Ärger sowie mit Kritik und Vorwürfen anderer umzugehen, ohne dabei die Anliegen, Bedürfnisse und Werte aller Beteiligten zu vernachlässigen.

Am 14. März kann darauf aufbauend der Fortgeschrittenen-Kurs „Zugewandt, einfühlsam und unparteiisch – Anregungen zur Vermittlung in Konflikten nach Marshall Rosenberg“ besucht werden. Hier wird Jochen Hiester eine Fülle an Anregungen hinsichtlich der Gesprächsführung und der Gestaltung des Rahmens während einer Konfliktvermittlung (Mediation) zwischen Kindern und Jugendlichen geben.

Beide Veranstaltungen finden samstags von 09:30 bis 17:30 Uhr im Koblenzer Medienladen statt. Die Teilnahmegebühr beträgt 5 Euro für GEW-Mitglieder und 20 Euro für Nicht-Mitglieder. Notwendig ist eine frühzeitige Anmeldung per Mail an dominik.mueller@gew-rlp.de oder über die Online-Anmeldung im Bereich „Fortbildungen“ auf www.gew-rlp.de.

Literaturempfehlungen
Hart, Sura/Kindle Hodson, Victoria (2006): Empathie im Klassenzimmer. Gewaltfreie Kommunikation im Unterricht. 2. Auflage. Paderborn: Junfermann.
Rosenberg, Marshall B. (2011): Erziehung, die das Leben bereichert. Gewaltfreie Kommunikation im Schulalltag. 4. Auflage. Paderborn: Junfermann.
Rosenberg, Marshall B. (2012): Gewaltfreie Kommunikation. Eine Sprache des Lebens. 10. Auflage. Paderborn: Junfermann.

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