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Symposium von GewerkschaftenFreiheitsrechte in der Türkei

Mitglieder der türkischen Bildungsgewerkschaft Egitim Sen werden weiterhin verfolgt und unterdrückt. Dies wurde bei einem internationalen Symposium am 6./7. März in Ankara deutlich, an dem auch eine GEW-Delegation teilnahm.

11.03.2019 - Birgit Koch, Doreen Siebernik

Ohne Gehalt und Krankenversicherung
Die politischen Verhältnisse in der Türkei sind weiterhin desaströs. Die Unterdrückung gegen die Bildungsgewerkschaft Egitim Sen und ihre Mitglieder besteht nach wie vor. Mehr als 1.600 Gewerkschaftsmitglieder wurden aus politischen Gründen per Dekret aus dem Schuldienst entlassen. Sie wollen ihre Arbeit zurück. Ihnen und ihren Familien wurden durch die Entlassungen die Lebensgrundlagen entzogen. Sie erhalten kein Gehalt, sind nicht krankenversichert und haben keine Alterssicherung. Eĝitim Sen unterstützt die Kolleginnen und Kollegen monatlich mit zirka 1.000 Türkischen Lira (ungefähr 160.-€).
 

Hoffnung ist der Feind der Tyrannen
Bewegend waren die Berichte der aus den Schulen und Universitäten entlassenen Kolleginnen und Kollegen. Eĝitim Sen hatte aus allen Städten, in denen mehr als zehn Kolleginnen und Kollegen vom Dienst suspendiert  wurden, je eine Frau und einen Mann zu dem Symposium eingeladen, damit sie ihre Situation darstellen konnten Deshalb war es von großer Bedeutung, dass dreißig Vertreterinnen und Vertreter von Bildungsgewerkschaften aus Frankreich, Großbritannien, Griechenland, den Niederlanden, den USA, Zypern und Deutschland der Einladung zum Egitim Sen Symposium gefolgt  waren. Der Generalsekretär der Bildungsinternationale, David Edwards, betonte in seiner Rede die internationale Solidarität, der sich die türkischen Kolleginnen und Kollegen gewiss sein können. Er sprach ihnen Mut zu:  „Es ist kein Zufall, dass autokratische Regierungen Gewerkschaften fürchten. Selbst in repressiven Systemen sind unabhängige Gewerkschaften Inseln der Demokratie und geben als solche Hoffnung. Hoffnung ist der Feind der Tyrannen.“

 

„Unsere Brüder und Schwestern von Egitim Sen brauchen unsere Solidarität!“ (Birgit Koch)


Doreen Siebernik und Birgit Koch konnten am Vorabend des Internationalen Frauentages in Ankara zum Thema „A13 für alle“ sprechen. Sie machten deutlich, dass die unterschiedliche Eingangsbesoldung von Grundschullehrkräften in Deutschland eine mittelbare Diskriminierung bedeutet, die in erster Linie Frauen betrifft, da über 90 Prozent aller Lehrkräfte an den Grundschulen Frauen sind. Mit Aufmerksamkeit wurde wahrgenommen, dass es in Deutschland hier Erfolge gibt, denn in Brandenburg wird seit dem 1.1.2019 und in Berlin ab Sommer 2019 A13 für alle Lehrkräfte bezahlt. „Unsere Präsentation kam sehr gut an“, berichtete Doreen Siebernik über die Reaktion der Symposiumsgäste. „Natürlich konnten wir auch noch verkünden, dass in Berlin der Internationale Frauentag zum allgemeinen Feiertag erklärt wurde“.  Auch ihre hessische Kollegin Birgit Koch zieht eine positive Bilanz der GEW-Teilnahme am Symposium:  „Wir sind sehr froh, nach Ankara gereist zu sein. Unsere Brüder und Schwestern von Egitim Sen brauchen unsere Solidarität! Denn nur, wenn wir alle zusammen stehen und mit den Kollegen und Kolleginnen solidarisch sind, kann das Pflänzchen der Hoffnung auf eine Änderung der politischen Verhältnisse wachsen. Im März finden in der Türkei Kommunalwahlen statt. Die Kollegen und Kolleginnen hoffen, dass die ‘Allmacht’ der regierenden Partei einen deutlichen Dämpfer erhält.“

Vom 6. bis 7. März 2019 fand in Ankara ein internationales Symposium der Bildungsgewerkschaft Egitim Sen statt. Das Motto lautete: The Education Trade Unions, Rights, Freedoms and Governments. Die GEW wurde von Doreen Siebernik, Landesvorsitzende Berlin und Birgit Koch, Landesvorsitzende Hessen, vertreten. Canan Demirci begleitete die Delegation als Übersetzerin.

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