GEW Rheinland-Pfalz

#meineMeinungAn die AfD

Catrine Bauer ist Lehrerin und GEW-Mitglied. Unter #meineMeinung sagt sie: Ich will, dass meine Schülerinnen und Schüler anderen Menschen gegenüber tolerant sind und nicht stumpf einer Masse hinterherlaufen und sinnlose, rechte Parolen grölen.

16.01.2019 - Catrine Bauer ist Lehrerin und GEW-Mitglied

Dieser Text ist Teil von #meineMeinung. GEW-Mitglieder schreiben abwechselnd in unregelmäßigen Abständen darüber, was sie im Berufsalltag bewegt, berührt und beschäftigt. Sie sagen ihre Meinung!

 

Liebe AfD,

ich bin Lehrerin geworden, weil ich meinen Schülerinnen und Schülern Werte und Normen nahe bringen möchte, weil ich sie zu denkenden Individuen erziehen möchte. Ich will, dass sie anderen Menschen gegenüber tolerant sind, dass sie sich um ihren Planeten kümmern und sorgen, dass sie sich umwelt-, klima-, tier- und menschenfreundlich verhalten. Ich möchte, dass sie nicht stumpf einer Masse hinterherlaufen und sinnlose, rechte Parolen grölen. Das sind nicht meine Schülerinnen und Schüler!

 

Am Anfang meines Referendariats habe ich einen Eid geschworen: „Ich schwöre, dass ich mein Amt nach bestem Wissen und Können führen, das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, die Landesverfassung und das Recht achten und verteidigen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde.“

 

Ihr wollt ein pauschales Kopftuchverbot, doch das verstößt gegen die im Grundgesetz verankerte Glaubens- und Bekenntnisfreiheit.

 

Ihr wollt die Genderforschung abschaffen. Das ist doch Zensur von Forschung! Die ist nach Artikel 5 Absatz 3 des Grundgesetztes untersagt: „Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei.“

 

Fähigkeiten wie Toleranz und Meschenfreundlichkeit, die so wichtig für das Miteinander in einer bunten Gesellschaft sind, basieren auf sozialer und personaler Kompetenz und nicht auf einer „gefestigten Nationalidentität“.

Ihr wollt Flüchtlingskinder und Migrantinnen und Migranten in Sonderklassen abschotten und in ihrer Muttersprache unterrichten, statt sie zu integrieren. Doch das steht einer bunten, offenen Gesellschaft im Wege.

 

Für euch soll Schule zu einer „gefestigten Nationalidentität“ erziehen und auf „dämliche Erinnerungspolitik“ verzichten. Ihr wollt die Kompetenzorientierung wieder abschaffen. Doch die am Anfang von mir genannten Fähigkeiten wie Toleranz und Meschenfreundlichkeit, die so wichtig für das Miteinander in einer bunten Gesellschaft sind, basieren auf sozialer und personaler Kompetenz und nicht auf einer „gefestigten Nationalidentität“. Ich werde meine Schülerinnen und Schülern auch weiterhin das Weltbild einer offenen und bunten Gesellschaft nahe bringen und ihnen die dafür nötigen Kompetenzen vermitteln.

 

Ihr wollt uns Lehrerinnen und Lehrer mit Online-Portalen an den Pranger stellen und einschüchtern. Doch ich hoffe, ich spreche für einen Großteil meiner lieben Kolleginnen und Kollegen, wenn ich sage: Wir werden mit allen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, versuchen zu verhindern, dass sich Schulen in die rechte Ecke der AfD bewegen.

 

Meine Meinung darf gerne geteilt werden, damit sie alle Menschen erreicht!

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