GEW Rheinland-Pfalz
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Grundschule im Gespräch

Unter dem Motto „Grundschule im Gespräch“ veranstalte die GEW Rheinland-Pfalz am 9. Oktober 2014 einen Grundschultag an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. An der Tagung nahmen über 130 Kolleginnen und Kollegen aus rheinland-pfälzischen Grundschulen teil. Neben dem Hauptvortrag und den Workshops gab es so reichlich Möglichkeit mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Grundschulen ins Gespräch zu kommen.

31.10.2014 - Jonas Priester

Klaus-Peter Hammer eröffnete die Tagung mit dem Versprechen, alle 2 Jahre solch einen Grundschultag durchführen zu wollen. Zudem stieg er in das Mott „Grundschule im Gespräch“ ein. Zum einen freute er sich, dass an diesem Tag die Kolleginnen und Kollegen untereinander ins Gespräch kommen können und zum anderen bedeutet das Motto für ihn auch das Gespräch über Themen, die die Grundschule zur Zeit bewegen. Hier sollte man das Gespräch über strukturelle Themen, wie Aufgabenbewältigung und Personalausstattung, sowie das Gespräch über inhaltliche Themen führen. Einen Beitrag zu inhaltlichen Themen lieferet der Hauptvortrag der Tagung. Klaus-Peter Hammer machte zudem deutlich, dass der GEW eine Aufwertung der „Proffesion“ der GrundschullehrerInnen sehr wichtig ist. Zum einen ist eine Forderung der GEW, dass die GrundschullehrerInnen genauso lange, wie auch die anderen Lehrämter studieren, da die jungen Leute genügend Zeit brauchen, um sich auf den Lehrerberuf vorzubereiten. Themen wie Inklusion und auch die Fachlichkeit dürfen im Studium nicht zu kurz kommen. Ebenfalls soll eine Aufwertung der „Proffession“ durch eine bessere Bezahlung erreicht werden. Die geringe Bezahlung für Grundschulehrerinnen ist nicht gerecht, zumal GrundschullehreInnen die höchste Stundenzahl haben. Klaus-Peter Hammer wünscht sich mehr Gerechtigkeit und Wertschätzung für die Arbeit der GrundschullehrerInnen.

Nach den einführenden Worten von Klaus-Peter Hammer begrüßte das Leitungsteam der Fachgruppe Grundschule die Anwesenden Kolleginnen und Kollegen. Die Forderung von Klaus-Peter Hammer ergänzten sie um die Forderung nach mehr Wertschätzung und Honorierung der Arbeit von Grundschulleitungen. Das Leitungsteam bedankte sich zudem bei Rute Simoes und Peter Blase-Geiger für die Unterstützung bei der Organisation der Tagung.

Das Hauptreferat der Tagung wurde von Prof. Dr. Ursula Neumann zum Thema „Die Bedeutung von Bildungssprache in der Grundschule gehalten. Prof. Dr. Ursula Neumann beschäftigt sich an der Universität Hamburg mit der Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund. Viele dieser Förderaspekte lassen sich aber ohne Weiteres auch auf Kinder ohne Migrationshintergrund übertragen. Zu Beginn ihres Vortrag warf sie einen Blick in die Bildungspläne in Hamburg, in denen der Begriff Bildungssprache Einzug erhalten hat. Bildungssprache ist deshalb so wichtig, da sich Bildung durch Sprache vollzieht. Für die Bildungssprache sind zwei Prinzipien grundlegend: Zum einen soll sie sich am lebensweltlichen Spracherwerb der Kinder orientieren und zum Anderen soll sie eine adäquate Beteiligung am Unterricht ermöglichen. Ein Blick in die KMK Richtlinie zur „Interkulturelle Erziehung“ (Dezember 2013) verrät, dass alle Lehrkräfte Sprachlehrer sind und somit die Sprachbildung nicht allein die Aufgabe der DeutschlehrerInnen ist. Eine Untersuchung zu diesem Aspekt ergab, dass dieser eine große Zustimmung unter den Lehrkräften findet, doch allerdings gab eine Mehrheit an, dass ihnen das nötige Wissen hierzu fehle. Nach dem Einstig über die Bildungspläne und die KMK Richtlinie definierte Prof. Dr. Neumann den Begriff Bildungssprache näher. Zum einen ist Bildungssprache ein Ausschnitt aus der Sprache, der dem Zweck der Bildung dient zum anderen behandelt Bildungssprache Wissen auf eine besondere Art und Weise. Bildungssprache ist hierbei sowohl Lerngegenstand als auch Lernmedium. So erwerben die SchülerInnen in der Schule ein Sprachregister, das sich von der mündlichen Alltagssprache unterscheidet. Gleichzeitig werden die Bildungsinhalte in diesem Sprachregister vermittelt und seine Anwendung wird in leistungsrelevanten Situationen vorausgesetzt. Aus ihren Ausführungen zur Bildungssprache leitete Prof Dr. Neumann Ansatzpunkte für die Schulentwicklung ab. Zum einen betonte sie die Bedeutung einer durchgängigen Sprachförderung in der Schule in allen Fächern zum anderen stellte sie das Konzept von regionalen Bildungsgemeinschaften vor. Verschiedene Institutionen, unter anderem auch Eltern und Lehrer, sollen sich zu sogenannten regionalen Bildungsgemeinschaften zusammenschließen. Hierbei engagieren sich die drei Ebenen Familie, Bildungsinstitution und Stadtteil/Gemeinde jeweils für die anderen und für sich selbst. Hierzu zeigte sie ein Raster, mit dem die Schulen analysieren können, wo bereits etwas getan wird und wo noch etwas getan werden muss (Das gezeigte Raster sowie der Vortrag kann unter www.gew-rlp.de/html/startseite_detail.php abgerufen werden). Ein Beispiel für solche Bildungsgemeinschaften ist die Stiftung „Ein Quadratkilometer Bildung“. Ein Quadratkilometer Bildung setzt auf Menschen – Kinder wie Erwachsene – und auf Institutionen, die lernen und sich verändern wollen. Er bietet ihnen im Bündnis von Landesverwaltungen, Kommunen und Stiftungen eine verlässliche Entwicklungsplattform, die auf zehn Jahre angelegt und im Stadtteil mit einer pädagogischen Werkstatt verankert ist (http://www.ein-quadratkilometer-bildung.eu/). Anschließend gab es noch die Möglichkeit der Referentin fragen zu stellen. Hierbei betonte sie, dass kooperative Lernformen förderlicher seien als Einzelarbeit oder Lehrervortrag. Allerdings sei es wichtig, diese mit Material zu unterfüttern, das bildungssprachliche Register vermittelt.

An den Hauptvortrag folgten zwei Workshopphasen, in denen die Teilnehmerinnen aus elf verschiedenen Workshops zwei besuchen konnten.

Arbeits-und Gesundheitsschutz

Ganzheitliches Gesundheitsmanagement in Schulen fehlt und muss etabliert werden, so kann das Fazit der Erörterungen in der Arbeitsgruppe zusammengefasst werden. Die Lehrkräfte und Pädagogischen Fachkräfte sind im Schulbereich vielfältigen Belastungen ausgesetzt. Eine lange Liste kam bei der Anfangserhebung zustande. Sie reichte von Mängel, die mit den Räumlichkeiten zusammen hängen, über Unzulänglichkeiten in der Arbeitsplatzgestaltung und der Arbeitsorganisation bis zu vielfältigen Beeinträchtigungen im psychosozialen Bereich. Die Verhältnisse sind von Schule zu Schule unterschiedlich. Insofern muss in jeder Dienststelle mithilfe der Gefährdungsbeurteilung, die gesetzlich vorgeschrieben ist, die konkreten Bedingungen vor Ort erhoben, geeignete Maßnahmen durchgeführt und diese evaluiert werden.

Obwohl der Blick auf die einzelne Dienststelle erforderlich ist, zeigte sich, dass durch verbesserte Personalausstattung und –zuweisung eine Reihe der krankmachenden Belastungen deutlich verringert werden kann. Hier ist das Bildungsministerium zusammen mit dem Landtag in der Pflicht. Auch muss der Dienstherr seine Verantwortung wahrnehmen und die Lehrkräfte nachhaltig unterstützen, damit Mängel, die der Schulträger zu beseitigen hat, zeitnahe und erfolgreich abgestellt werden.

Der Gesprächsleiter Dieter Roß übergab den TeilnehmerInnen eine Liste hilfreicher Einrichtungen, erläuterte die Durchführung der Gefährdungsbeurteilung und ermunterte die Unterstützung der Gewerkschaft anzufordern.

 

Von der behaupteten „ Schulfähigkeit“ zur schulerorientierten Transitbegleitung

Dieser Workshop drehte sich rund um den Begriff der Schulfähigkeit. Zunächst einmal ist festezustellen, dass es keinerlei Studien zur Schulfähigkeit gibt. Nach Ansicht des Referenten Dr. Richard Wagner könne eine Schulfähigkeit nicht vor dem Beginn der Schullaufbahn bestehen. Der Begriff Schulfähigkeit beschreibe die Fähigkeit, Schüler zu sein, was erst in der Schule erlernt werden könne. Auch sollten am Anfang der Schulzeit die Eltern unterstützt werden, da auch diese zunächst einmal lernen müssen „Schuleltern“ zu sein. Am aktuellen Schulsystem kritisierte er, dass für den Lernerfolg des Schülers entscheidend ist, wie er in den ersten 4 Schuljahren gesehen wird. Zudem sei es wichtig zu Wissen, dass die Entwicklung der Kinder in den ersten 10 Jahren von emotionalen Beziehungen abhängig ist. Diese emotionale Abhängigkeit der Schülerinnen und Schüler von ihren Lehrkräften solle vor allem bei der Leistungsbeurteilung berücksichtigt werden. Die Schülerinnen und Schüler der Grundschule können, seiner Meinung nach, Bewertungen nicht sachlich annehmen, sondern nehmen diese immer persönlich. Zudem seien viele Schülerinnen und Schüler von den Bewertungssystemen überfordert. Ob ein Schüler ins System Schule passe, hinge also davon ab, wie ihm begegnet wird. Den Schüler ernst zunehmen und ihn anzunehmen sei die Voraussetzung für eine gelingende Schullaufbahn.

 

Im Workshop Experimentelles Drucken mit Acrylfarben konnten die TeilnehmerInnen selbst künstlerisch tätig werden und beeindruckende Kunstwerke erstellen. Etwas lauter ging es im Workshop Afrikanisches Trommeln zu. Ebenfalls musikalisch war der Workshop Singen – sagen – sich bewegen, der vom Liedermacher Frederik Vahle durchgeführt wurde. In einem weiteren Workshop konnten die Teilnehmerinnen lernen ein interaktives (Hör-)Bilderbuch zu gestalten. Daneben wurden Workshops zur Stimmbildung, zu Grundvorstellungen in der Mathematik, zum Thema Beziehung statt Erziehung und zur institutionellen Kommunikation im Krisenfall angeboten.

Den Abschluss der Tagung gestaltete der Liedermacher und Autor Frederik Vahle. Neben Gedichten über das Gehirn oder die Sprache trug er einige seiner Lieder vor und animierte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Mitsingen. So konnten alle TeilnehmerInnen nach einer informationsreichen Tagung gut gelaunt mit einem Lied auf den Lippen nach Hause fahren.

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