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Trennung der Universität Koblenz-Landau GEW verlangt Stärkung der Lehramtsausbildung

In einer Stellungnahme zur beabsichtigten Trennung der Universität Koblenz-Landau sorgt sich Klaus-Peter Hammer, Vorsitzender der GEW in Rheinland-Pfalz um die Finanzierung der Hochschulstandorte und verlangt, dass die Bildungswissenschaften und die Bildungsforschung vorangetrieben werden. Außerdem will er, dass an der neuen Universität Koblenz zukünftig wieder das Lehramt für Förderschulen studiert werden kann.

13.02.2019

Der Vorsitzende der GEW Rheinland-Pfalz nimmt zu den Plänen der Landesregierung, die Universität Koblenz-Landau zu trennen, wie folgt Stellung:

„Die Vorschläge der Expertenkommission und die Entscheidung des Wissenschaftsministeriums, die Uni­versität Koblenz-Landau aufzulösen, haben nicht nur seitens der GEW zu großer Verwunderung geführt. Insgesamt sind diese Pläne schwer nachvollziehbar und sie scheinen nicht ausreichend durchdacht, was die Chancen und Risiken betreffen. Ebenso sind nur bedingt die Vorteile dieser Strukturveränderung zu erkennen.

Gute Universitäten und Hochschulen sind für den Wissenschaftsstandort Rheinland-Pfalz von besonderer Bedeutung. In dem vom Wissenschaftsministerium Rheinland-Pfalz im April 2018 vorgelegten Hochschul­zukunftsprogramm wurden diesbezüglich Empfehlungen vorgelegt, die von einer Expertenkommission entwickelt wurden. In diesen Empfehlungen wird u.a. vorgeschlagen, die Struktur der Universität Koblenz-Landau zu verändern, in dem der Doppelstandort der Universität getrennt und der Verwaltungssitz der Doppeluniversität, das Präsidialamt in Mainz, aufgelöst wird. Dieser Vorschlag, der heute auf der Presse­konferenz des Wissenschaftsministeriums der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, hatte schon im Vorfeld zu großen Verunsicherungen besonders seitens der Beschäftigten des Präsidialamtes als auch im Bereich der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowohl an der Universität Koblenz-Landau als auch an der Uni­versität Kaiserslautern geführt.

Deshalb ist es ist gut, dass das Wissenschaftsministerium sich nun heute öffentlich positioniert hat. Nun wissen alle Beteiligten, was geplant ist. Spannend ist, in welchen Schritten der Prozess umgesetzt wird.

Strukturveränderungen können sinnvoll sein und sind manchmal auch notwendig. Für die GEW Rheinland-Pfalz ist immer noch nicht ganz deutlich geworden, was man sich von der Strukturveränderung verspricht und wie zukunftsfähig diese sein wird.

Die Universität Koblenz-Landau ist ein Erfolgsmodell. Ein Schwerpunkt, der beide Standorte miteinander verbindet, ist eine starke und niveauvolle Lehrkräftebildung – auch für das Lehramt an Gymnasien – über alle Schularten hinweg und mit allen Fächern, wenn auch mit unterschiedlichen Angeboten an den jewei­ligen Standorten. Neben den Lehramtsstudiengängen haben beide Standorte eigene wissenschaftliche Schwerpunkte.

Sind es in Landau die Studiengänge für Psychologie, Bildungswissenschaften und Umwelt­wissenschaften, so ist es in Koblenz der Studiengang Informatik. Insgesamt hat sich die Universität Koblenz-Landau zu einer Hochschule mit großem Entwicklungspotential entwickelt, die im nationalen Vergleich konkurrenzfähig ist und bundesweit und international Beachtung findet.

Doppelstandorte sind immer schwierige Konstellationen. Jedoch ist man in Koblenz-Landau schon seit Jahrzehnten mit dieser Problematik vertraut und hat es geschafft, trotz dieser strukturellen Besonderheit zu einer gut arbeitenden und gut funktionierenden Universität zu werden, die allgemein Anerkennung fin­det. Koblenz soll nun ohne Zusammenlegung mit einer anderen Hochschule selbstständig werden. Wie soll das gehen? Landau wiederum soll mit der Technischen Universität Kaiserslautern zu einer neuen Univer­sität mit Doppeltstandorten fusionieren, was vor Ort extrem kritisch gesehen wird. Nur wenige Akteure an beiden Hochschulen sind bisher davon überzeugt, dass dies der richtige Weg sei.

Die Universitätsstandorte Kaiserslautern und Landau sind derzeit chronisch unterfinanziert, insbesondere Landau wird überwiegend aus Hochschulpaktmitteln finanziert, zu einem erheblichen Teil auch die TU Kai­serslautern.  Die bisherigen Mittel aus Grundfinanzierung und Hochschulpaktmitteln müssen nicht nur dauerhaft den Standorten zur Verfügung stehen, sondern müssen verstetigt werden, um von den umlie­genden Universitäten (Karlsruhe, Mannheim, Darmstadt, Heidelberg) nicht abgehängt zu werden. In die neue Universität muss kräftig investiert werden, um das existierende hohe Potenzial in Forschung und Lehre weiter aufrecht zu erhalten und weiter auszubauen. Wenn es zu der Neustrukturierung kommt, muss die neue Universität zu einer Volluniversität ausgebaut werden, deren Grundfinanzierung jetzt und in Zukunft sichergestellt werden muss.

Eine Umstrukturierung der Hochschulen umfasst in der Regel einen langwierigen Prozess der Gestaltung mit Effekten auf die Gesamtheit einer Universität. Deshalb fordert die GEW Rheinland-Pfalz, die Beteili­gung aller Statusgruppen an solch einem Prozess. Dafür muss seitens des Wissenschaftsministeriums ein Konzept entwickelt werden, welches insbesondere in einer Übergangsphase die Studierbarkeit sowie die Forschung sicherstellt.  Des Weiteren darf eine Fusion des Standortes Landau mit der TU Kaiserslautern und eine selbstständige Universität Koblenz nicht zur Verringerung des Studienangebots an diesen Univer­sitäten führen.

Die GEW sieht die große Gefahr, dass die geplante Strukturveränderung zu einer Verschlechterung der Lehramtsausbildung führen könnte, wenn nicht deutlich mehr finanzielle Ressourcen als bisher zur Verfü­gung gestellt werden.

Die vielfältigen Fächerkombinationen Gesellschaftswissenschaften, Sprachen und Naturwissenschaften über den gymnasialen Zweig hinaus sind an der Universität Koblenz-Landau einzigartig. Die GEW legt be­sonderen Wert darauf, dass diese Strukturen erhalten und weiter ausgebaut werden. Es sollten nicht nur die Fachwissenschaften gestärkt werden, es müssen vorrangig der Ausbau der Bildungswissenschaften und der Bildungsforschung vorangetrieben werden, damit weiterhin eine hochwertige Lehrkräftebildung mög­lich ist.

Kommt es zur Trennung der Universität Koblenz-Landau, muss an der zukünftigen Universität Koblenz un­bedingt das Studium für das Lehramt an Förderschulen eingerichtet werden.“

 

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