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GEW fordert bessere Bedingungen für Grundschulen

In der Grundschule werden die Kinder zum ersten Mal mit schulischen Anforderungen konfrontiert. Vieles ist neu und ungewohnt für sie. Hier erwerben die Kinder die für ihre gesamte Biographie notwendige Grundbildung. Sie werden fachlich gebildet und sozial integriert.

22.03.2016

Die Kinder bei der Bewältigung dieser neuen Entwicklungsaufgaben und ihrer Bildung zu begleiten und zu unterstützen, die Eltern zu beraten und ein abwechslungsreiches inklusives Schulleben zu gestalten, sind zentrale Aufgaben der GrundschullehrInnen.

Diesen komplexen und gesellschaftlich wichtigen Aufgaben steht eine chronische Unterfinanzierung der Grundschulen gegenüber: GrundschullehrerInnen haben die höchste Unterrichtsverpflichtung aller Lehrkräfte. Sie werden schlechter bezahlt als alle anderen und oftmals sind auch die Schulen unzureichend  ausgestattet. Dies passt nicht zu dem hohen Anspruch, der an die Grundschulen gestellt wird.

Die Grundschule ist in vielen Bundesländern die einzige echte Gesamtschule und  Vorreiterin bei der inklusiven Bildung. GrundschullehrerInnen haben die höchst widersprüchliche Aufgabe, alle Kinder gleichermaßen zu bilden und sie gleichzeitig auf verschiedene Schulformen der Sekundarstufe vorzubereiten.

Die anspruchsvolle pädagogische Arbeit der Lehrkräfte an Grundschulen muss endlich auch entsprechend entlohnt werden. Deshalb fordert die GEW die Entlohnung nach A13 bzw. E 13 für die Grundschullehrkräfte. 

Um Bildungsgerechtigkeit im umfassenden Sinne herzustellen müssen sich die Grundschulen zu inklusiven Ganztagsschulen in gebundener Form entwickeln.  Hierzu bedarf es grundlegender Veränderungen in der materiellen und personellen Ausstattung.

Eine Grundbedingung gelungener inklusiver Bildung sind multiprofessionelle Teams: Die Grundschulen brauchen ihnen fest zugewiesene SchulsozialarbeiterInnen, Sonderpädagogische Lehrkräfte, Lehrkräfte für Deutsch als Zweitsprache,  SchulassistentInnen und ErzieherInnen (insbesondere für den Ganztag) und je nach Bedarf auch Pflegekräfte und bedarfsgerechte Fachkräfte.

Um die notwendige Kooperation im Rahmen des Unterrichts, der Unterstützungsmaßnahmen, des Schullebens und des Ganztagsbetriebes nachhaltig zu gewährleisten, müssen Kooperationszeiten fester Bestandteil der Arbeitszeit sein. Dies ist bei allen pädagogischen Fachkräften zu gewährleisten.

Letztlich heißt das aber auch: Die Unterrichtsverpflichtung der Grundschullehrkräfte muss herabgesetzt werden. Zugleich brauchen alle  Grundschulen Teamräume und Arbeitsplätze für die Lehrkräfte. Ganztagsschulen sollten auch strukturierte Freizeitangebote machen und gesunde Mahlzeiten anbieten. Auch hierfür benötigt die Grundschule die entsprechenden materiellen Voraussetzungen.

Um alle Kinder umfassend bilden zu können, braucht die Grundschule Zeit und verlässliche pädagogische Beziehungen. In diesem Zusammenhang fordert die GEW Klassengrößen von maximal 20 SchülerInnen.

Schulentwicklung hängt in hohem Maße auch von der Schulleitung, ihren Visionen und Freiräumen ab. Gerade in der Grundschule werden die geringen Freistellungsstunden der Schulleitungen meist durch die Verwaltungstätigkeit aufgebraucht. Die GEW fordert daher, dass die Unterrichtsverpflichtung der Schulleitungen deutlich reduziert wird.

Um neben dem gemeinsamen Unterricht für alle auch zusätzliche  Möglichkeiten individueller Förderung in Kleingruppen (z.B. Deutsch als Zweitsprache, Lerngespräche, Lebenspraktische Übungen  usw.), sowie Pflegemaßnahmen durchführen zu können, sind neben den  Klassenräumen auch entsprechende Differenzierungsräume notwendig. 

Nicht zuletzt ändern und erweitern sich die pädagogischen Aufgaben in den Grundschulen ständig. Eine wichtige Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Fort- und Weiterbildung der Lehrkräfte. Die GEW fordert entsprechende Angebote sowie die personellen und organisatorischen Voraussetzungen, um diese wahrnehmen zu können.  

 

Dieser Text, der in der Zeitschrift "Grundschule aktuell" erschienen ist, ist von Dr. Ilka Hoffmann, Grund-/Haupt- und Sonderschullehrerin, seit 2013 Leiterin des Vorstandsbereichs Schule der GEW Bund.

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