„Das heute vorgestellte Konzept zur neuen Schulstruktur wird dem Anspruch an ein „gemeinsames längeres Lernen“ nur in Ansätzen gerecht“, stellte der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Rheinland-Pfalz (GEW), Tilman Boehlkau, heute vor der Presse fest. Die gemeinsame Orientierungsstufe zwischen Realschule und Hauptschule sei zwar ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Auf die zergliederte rheinland-pfälzische Schullandschaft in der Sekundarstufe I (Klassen 5-9/10) werde damit aber noch keine zufriedenstellende Antwort gefunden. „Das Konzept der Landesregierung ändert nichts daran, dass SchülerInnen nach wie vor mit 10 Jahren – und damit viel zu früh – auf unterschiedliche Schularten aufgeteilt werden, obwohl alle ernst zu nehmenden BildungswissenschaftlerInnen das zu frühe Aufteilen für eine wesentliche Ursache der mittelmäßigen Schülerleistungen in Deutschland halten,“ so der GEW-Landesvorsitzende. Die PISA-Siegerländer seien wie Rheinland-Pfalz Flächenstaaten, die es mit einer gesellschaftlichen Gesamtanstrengung geschafft hätten, das Schulsystem grundlegend zu verändern und in ihren Schulen ein Lernklima zu erzeugen, in dem heute gute Leistungen gedeihen könnten. Einen positiven Aspekt in dem Konzept der Landesregierung sieht Boehlkau in der Aufhebung der Bestandsgarantie des gegliederten Schulwesens im Umfeld von neu zu gründenden Integrierten Gesamtschulen, was Neugründungen von Gesamtschulen erleichtern werde. Eher positiv sei auch, dass den „Realschulen plus“ und den Regionalen Schulen die Option eröffnet werde, die Fachhochschulreife nach 12 Jahren zu vergeben. Dass in der gemeinsamen Orientierungsstufe die Klassenmesszahl auf 25 Schüler pro Klasse begrenzt wird, sei ein erster Schritt zur Verbesserung der individuellen Förderung. „Mit kleinen Schritten kann man nichts richtungweisend ändern oder gar zum Sieger werden! Was bei der frühkindlichen Bildung (Zukunftschance Kinder - Bildung von Anfang an) gut auf den Weg gebracht worden sei, hätte auch für eine „neue Schulstruktur“ in Rheinland-Pfalz Grundlage sein können“, monierte Boehlkau. Dass der Hauptschulabschluss in der neuen „Realschule plus“ und in der Regionalen Schule weiterhin vergeben werden soll, sei ein falsches Signal, weil damit keine besseren Berufswahlchancen eröffnet werden als heute. „Um allen SchülerInnen die bestmögliche Förderung zu gewährleisten, wären größere Schritte hin zu „Eine Schule für Alle“ – unter Einbeziehung auch der Gymnasien und Förderschulen - die mutigere und bessere Lösung gewesen“, betonte der GEW-Landesvorsitzende.
30. Oktober 2007
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