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Kinderbetreuung: GEW fordert „Schluss mit dem Ping-Pong-Spiel“

01.09.2017

Das Land und die Kommunen müssen nach Auffassung der GEW gemeinsam Verantwortung für eine ausreichende Versorgung der rheinland-pfälzischen Kitas mit Fachkräften übernehmen. In einem „Ländermonitoring Frühkindliche Bildung 2017“ bescheinigt die Bertelsmann-Stiftung Rheinland-Pfalz zwar Verbesserungen in der personellen Ausstattung der Kitas, sieht aber längst nicht die Bedingungen erfüllt, die nötig wären, um flächendeckend eine gute Kita-Qualität zu gewährleisten. Die Stiftung kommt zu dem Ergebnis, dass in Rheinland-Pfalz mindestens noch 4.293 Erzieherinnen und Erzieher fehlen!

Das ist für Rheinland-Pfalz keine überraschende Zahl, meint die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Schon 2010 hatten Prof. Dr. Stefan Sell und Anne Kersting in einer Studie zum Personalbedarf in Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege prognostiziert, dass 2017 bis zu 5.000 Erzieherinnen und Erzieher im Land fehlen werden. Damals hat man von Seiten der Politik versucht, die Situation trotz dieses Hinweises zu verharmlosen und entsprechend wirksame Reaktionen blieben aus.

Einen Tag, nach dem die Bertelsmann-Stiftung ihre Zahlen zum Fachkräftemangel veröffentlichte, meldete sich der rheinland-pfälzische Rechnungshof zu Wort und mahnt millionenfache Einsparmöglichkeiten in der Kindertagesbetreuung an.

„Vollkommen losgelöst von pädagogischen Erwägungen und Notwendigkeiten betreibt der Rechnungshof ein Zahlenspiel, mit dem Ziel Geld in der Kinderbetreuung einzusparen. Das zeigt deutlich, dass der Rechnungshof in keiner Weise verstanden hat, welche Bedeutung eine qualitativ hochwertige Kindertagesbetreuung für die Gesellschaft hat.“ meint Klaus-Peter Hammer, Vorsitzender der GEW in Rheinland-Pfalz. Die Bildungs- und Erziehungsempfehlungen, die verbindlich von allen Kitas des Landes umzusetzen sind, werden in den Analysen des Rechnungshofes komplett ignoriert. Dass es um junge Menschen geht, die möglichst gute Zukunftschancen durch Bildung bekommen sollen, ausgeklammert. Aus Sicht der GEW überschreitet der Rechnungshof dort seine Kompetenzen, wo er Berechnungssysteme zur Personalbemessung vorschlägt, die pädagogische Gesichtspunkte nicht berücksichtigen und ausschließlich fiskalischen Gesichtspunkten folgen.

Denjenigen, die in der Politik weiter abwartend oder aussitzend auf berechtigte Forderungen für Verbesserungen in den Kitas-reagieren, sollten die Intervention des Rechnungshofes als das sehen, was sie ist:  Mit falschen Argumenten soll Druck aufgebaut werden um Kosten einzusparen.

Solange aber die Erziehung, Bildung und Betreuung von Kindern einzig auf der Basis von fiskalischen Beweggründen diskutiert wird, wird die Qualität in den Kindertageseinrichtungen nicht zu sichern sein. Gute Bildung braucht gute Bedingungen und gute Bedingungen kosten nun mal Geld!

Rheinland-Pfalz steht jetzt gerade im Prozess einer Novellierung des Kita-Gesetzes. Jetzt ist die Chance gegeben, die Mahnungen und Empfehlungen der Fachwelt ernst zu nehmen und endlich die Qualität in den Fokus zu stellen, nicht die Einsparmöglichkeiten!

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